Mittwoch, 13. februar 2008
"Die eigene Kultur braucht gewisse Freiheiten"
Mitglieder des türkischen Sportvereins Vatan Sport wollen Integration, aber keine Assimilation Von unserem Redaktionsmitglied
Frederik Klaustermeyer
BREMEN. Die zumeist älteren Herren sitzen an kleinen Tischen, trinken Tee, spielen Karten, diskutieren miteinander. Nicht
selten geht es bei den Gesprächen im Vereinsheim vom türkischen "Kultur und Sport Verein Vatan Sport Bremen" um ein Thema: die jüngsten Äußerungen Recep Tayyip Erdogans zur Anpassung der in
Deutschland lebenden Türken.Dabei ist dessen Ablehnung der Assimilation hier nichts Neues: "Wir verstehen nicht die Aufregung um Erdogans Äußerungen. Wir sagen schon lange, dass wir für Integration
sind, aber gegen Assimilation", sagt der Vereinsvorsitzende Nevzat Özkan, der seit 35 Jahren in Bremen lebt. Mustafa Yavuz, Öffentlichkeitsreferent der Islamischen Föderation Bremen, bestätigt ihn:
Die islamischen Verbände hätten bereits seit Langem die nun von Erdogan in Köln vertretene Position bezogen. Auch Yavuz ist es ein Rätsel, warum gerade jetzt die Diskussion um diesen Standpunkt so
stark aufgekommen ist. Doch er hat eine Vermutung: "Das wird vielleicht auch von Politikern hochgekocht im Zusammenhang mit den Diskussionen um einen Türkei-Beitritt zur EU." Der 60-jährige Özkan
unterscheidet deutlich zwischen Integration und Assimilation. Er betont die Bereitschaft der Türken, mit den Deutschen zusammenzuleben: "Aber einige Deutsche sagen, wir sollen dafür unsere Kultur
aufgeben. Das geht nicht." Sein Vereinskollege Mehmet Kasikci bemängelt die fehlende Integrationsbereitschaft vieler Deutscher: "Auch die Deutschen sollen uns integrieren. Wir wollen nicht immer
abgeschoben werden. Wir wollen hören: ,Komm her, Bruder: wir wollen zusammenleben.’", sagt der 59-Jährige.Nevzat Özkan führt sein Verständnis von Integration aus: "Sie bedeutet für uns, die Gesetze
zu beachten. Sie bedeutet, sich der Gesellschaft anzupassen. Das heißt aber nicht zu 100 Prozent. Ich muss nicht wie ein Deutscher in einer Bar Bier trinken. Ich kann auch hier Tee trinken und bin
trotzdem integriert. Gewisse Freiheiten braucht auch die eigene Kultur." Und der Vereinsvorsitzende hebt den Vorteil für das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen hervor, wenn die Zuwanderer
ihre Herkunft nicht vergessen: "Wenn die Kinder die eigene Kultur und Sprache richtig lernen, akzeptieren sie leichter andere Kulturen." Zudem fiele es leichter, eine fremde Sprache zu lernen, wenn
man die eigene Muttersprache gut beherrsche.
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Es würde mich sehr freuen. wenn es in Walsrode auch solche offenen Diskussionen gebn würde.